
Das Konzept der Auszeithöfe
Das Konzept der Auszeithöfe stellt ein innovatives Betreuungsangebot dar, das der Verein Soziale Landwirtschaft BY e.V. 2023 initiierte. Auszeithöfe fördern die soziale Teilhabe, das Wohlbefinden und die Lebensqualität älterer Menschen sowie von Menschen mit Demenz und entlasten pflegende An- und Zugehörige. Die Zielgruppe taucht in die Welt eines Bauernhofes ein und erlebt naturnahe und gemeinschaftliche Aktivitäten. Gleichzeitig werden die Auszeithöfe, die landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern durch die Förderung des Bayerischen Demenzfonds vergütet. Somit eröffnen sich neue Perspektiven der Einkommensdiversifizierung und der gesellschaftlichen Mitverantwortung.
Ein Auszeithof-Angebot dauert in der Regel etwa zwei Stunden. Nach der gemeinsamen Begrüßung und Einführung in das Tagesprogramm erfolgt eine etwa 30-minütige hof- und naturbezogene Aktivität, beispielsweise ein Rundgang über den Hof, Kontakt zu Tieren oder die Besichtigung landwirtschaftlicher Arbeitsbereiche. Dieses Erlebnisprogramm mit allen Sinnen bewegt die Besucher emotional. Im Anschluss findet ein gemeinsames Beisammensein bei einer kleinen Verpflegung statt. Dieser zweite Teil des Angebots dient dem sozialen Austausch, um gemeinsame Erfahrungen zu erzählen und sich auszutauschen. Die An- und Zugehörigen erhalten gegenseitiges Verständnis für ihren oft beschwerlichen Pflegealltag..
Die Landwirtschaft ist für die teilnehmende Besuchergruppe oftmals biographisch vertraut. Erinnerungen an den landwirtschaftlichen sinnstiftenden Sozial- und Erfahrungsraum werden geweckt. Das soziale Miteinander ermöglicht die Teilhabe an der Gesellschaft. Zugleich dient das Angebot der Entlastung pflegender Angehöriger durch die Bereitstellung niedrigschwelliger, wohnortnaher Betreuungsangebote im ländlichen Raum. Durch die Entwicklung sozialer Dienstleistungen eröffnen sich für landwirtschaftliche Betriebe durch Auszeithof-Angebote zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven und Einkommensquellen. Gleichzeitig wird die gesellschaftliche Rolle der Landwirtschaft im ländlichen Raum gestärkt. Bauernhöfe sind nicht nur Produzenten von Lebensmitteln, sie sind auch soziale Orte.
Zur nachhaltigen Weiterentwicklung und strukturellen Verankerung der Auszeithöfe ist am Institut für Gesundheit und Generationen (IGG) der Hochschule Kempten eine bayernweite Koordinierungsstelle etabliert. Diese bündelt zentrale Aufgaben in den Bereichen Konzeptentwicklung, Qualitätsmanagement, Angebotsgestaltung, Schulung, Beratung und Finanzierung. Ziel ist es, landwirtschaftliche Betriebe systematisch für die Durchführung alters- und demenzsensibler Betreuungsangebote zu qualifizieren, Qualitätsstandards zu etablieren und die Höfe in bestehende pflegerische Versorgungsstrukturen einzubinden.
10 neue Auszeithöfe in Bayern
Der Bayerische Demenzfonds erteilte am 01. Oktober 2026 10 neuen Auszeithöfe der Netzwerke „Bayern 9“ und „Bayern 10“ die Lizenz als Auszeithöfe aktiv zu werden. Die Auszeithöfe des Netzwerkes „Bayern 9“ sind in Ober-, Mittel-, Unterfranken und Schwaben, die Auszeithöfe des Netzwerkes „Bayern 10“ sind alle im Regierungsbezirk Oberbayern zu finden.
Nun bieten inzwischen 72 Auszeithöfe in Bayern Senioren, Menschen mit Demenz und deren Pflegekräfte ein Erlebnisprogramm auf dem Bauernhof an. Beim anschließenden entspannten Zusammensein nehmen sich die Besucher, vor allem die pflegenden Angehörigen und Pflegekräfte, eine kleine Auszeit. Sie genießen die Gemeinsamkeit mit Gleichgesinnten.
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung schützen Aktionen wie auf einem Auszeithof die ältere Generation unserer Bevölkerung vor Ausgrenzung und lässt sie am alltäglichen Leben teilhaben. Der Bayerische Demenzfonds beim Landesamt für Pflege billigte die zwei Förderanträge mit einer Gesamtsumme von 25.560 Euro. Diese Summe wird für die Vergütung der 10 neuen Auszeithöfe mit max. 180 Euro pro Veranstaltung innerhalb von eineinhalb Jahren verwendet werden.
Die landwirtschaftliche Offizialberatung und die Grundlagenqualifizierung im Betriebszweigentwicklungsseminar Soziale Landwirtschaft sowie die zielgruppenorientierten Fortbildungen der Koordinierungsstelle Auszeithöfe an der Hochschule Kempten machen die Bäuerinnen und Bauern im Bereich der Sozialen Landwirtschaft fit, um ein nachhaltiges zweites Standbein in der Landwirtschaft aufzubauen.
Die Kontaktadressen aller 72 Auszeithöfe in Bayern sind differenziert nach Landkreisen auch auf der Homepage der Koordinierungsstelle Auszeithöfe zu finden.
Informationen zum Kooperationspartner „Koordinierungsstelle Auszeithöfe“
Seit Oktober 2025 ist am Institut für Gesundheit und Generationen (IGG) der Hochschule Kempten die „Koordinierungsstelle Auszeithöfe“ etabliert. Aufbauend auf der durch den Verein Soziale Landwirtschaft Bayern e.V. geleisteten Vorarbeit übernimmt die Koordinierungsstelle die fachliche, strukturelle und strategische Weiterentwicklung des Konzepts der Auszeithöfe in Bayern.
Zentrale Aufgabe der Koordinierungsstelle ist es, landwirtschaftliche Betriebe bei der Etablierung und Durchführung der Auszeithof-Angebote zu unterstützen und die Weiterentwicklung der Auszeithöfe in Bayern zu steuern. Die Koordinierungsstelle berät und begleitet interessierte landwirtschaftliche Betriebe und bestehende Auszeithöfe beim Aufbau und der Umsetzung der Betreuungsangebote. Darüber hinaus stärkt sie durch Öffentlichkeitsarbeit und den Aufbau von Netzwerken die gesellschaftliche Wahrnehmung sozialer Landwirtschaft und trägt dazu bei, den Bekanntheitsgrad der Auszeithöfe in Bayern zu steigern. Ziel der Arbeiten der Koordinierungsstelle ist der Aufbau einer nachhaltigen, wirksamen und wirtschaftlich tragfähigen Struktur der Auszeithof-Angebote in Bayern.
Auf der Homepage der Koordinierungsstelle Auszeithöfe finden sich weiterführende Informationen zum Aufgabenspektrum und den Unterstützungsangeboten der Koordinierungsstelle sowie eine bayernweite Übersicht über alle bereits bestehenden Auszeithöfe:
Der Aufbau der Koordinierungsstelle wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) gefördert.
